Chikungunya
Das Wort Chikungunya stammt aus der Sprache der Makonde, einem Volk das im Südosten Tansanias und im Norden Mosambiks lebt. Es bedeutetet übersetzt in etwa „der gekrümmt gehende“. Dies gibt bereits einen deutlichen Hinweis auf die Art der Erkrankung und die Schwere der Gelenkschmerzen, die Erkrankte oft in eine gebückte Schonhaltung zwingen. Verursacht wird die Erkrankung durch das Chikungunya-Virus (ein Alphavirus). Das Chikungunya-Fieber ist weltweit in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet und wird durch den Stich von infizierten Aedes-Mücken (vor allem der Gelbfiebermücke Aedes aegypti und der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus) übertragen. Andere virale Infektionen, die auf die gleiche Weise übertragen werden, sind beispielsweise Dengue, Zika oder Gelbfieber. Die Mücken sind im Gegensatz zu den Anopheles-Mücken (den Überträgern der Malaria) tagaktiv.
Verbreitungsgebiete
Das Chikungunya Fieber kommt in weiten Teilen der tropischen und subtropischen Welt vor. Ursprünglich aus Afrika stammend, hat sich das Virus in den letzten Jahrzehnten rasant ausgebreitet. Besonders betroffene Regionen sind Südostasien, der indische Subkontinent, weite Teile Afrikas sowie Mittel- und Südamerika (z. B. aktuelle Ausbrüche in Ländern wie Argentinien).
Aufgrund der globalen Erwärmung und des Reiseverkehrs breitet sich die Asiatische Tigermücke zunehmend auch in Südeuropa und milderen Regionen Mitteleuropas aus. Vereinzelt kam es dadurch bereits zu lokalenÜbertragungen in Ländern wie Italien und Frankreich.
Symptome und Krankheitsverlauf
Die Erkrankung bricht meist 3–7 Tage nach dem Mückenstich aus. Typisch ist ein plötzlicher, oft schlagartiger Beginn.
Die wesentlichen Krankheitssymptome umfassen:
Hohes Fieber: Meist abrupt einsetzend.
Stärkste Gelenkschmerzen: Häufig in den Hand- und Fußgelenken, oft symmetrisch auf beiden Körperseiten. Diese Schmerzen können extrem einschränkend sein.
Muskel- und Kopfschmerzen: Begleitend im gesamten Körper.
Hautausschlag: Ein feinfleckiger Ausschlag, der oft am Rumpf und an den Gliedmaßen auftritt.
Magen-Darm-Beschwerden: Gelegentlich kommt es zu Übelkeit oder Erbrechen.
Während das Fieber meist nach wenigen Tagen abklingt, können die Gelenkschmerzen chronisch werden. Bei einem Teil der Patienten bleiben die Beschwerden über Wochen, Monate oder in seltenen Fällen sogar Jahre bestehen, was zu anhaltenden rheumatischen Problemen führt. Todesfälle sind selten und betreffen meist ältere Menschen mit schweren Vorerkrankungen oder Neugeborene, die sich bei der Geburt infizieren.
Behandlung
Es gibt keine spezifische (antivirale) Behandlung gegen das Chikungunya-Fieber. Die Therapie erfolgt rein symptomatisch:
Fiebersenkung und Schmerzlinderung: Paracetamol wird zur Linderung von Fieber und Schmerzen empfohlen.
Vorsicht bei Schmerzmitteln: Acetylsalicylsäure oder andere nichtsteroidale Antirheumatika sollten erst nach sicherem Ausschluss einer Dengue-Infektion angewendet werden. Da Dengue- und Chikungunya-Symptome sehr ähnlich sind, könnte Aspirin bei einem unentdeckten Dengue-Fieber das Risiko für schwere Blutungen lebensgefährlich erhöhen.
Flüssigkeitszufuhr: Es ist wichtig, ausreichend zu trinken, um eine Austrocknung zu vermeiden.
Wie kann man sich schützen?
Da die übertragenen Stechmücken tagaktiv (vor allem in den Morgen- und Nachmittagsstunden) sind, ist ein konsequenter Mückenschutz tagsüber und in den Abendstunden unerlässlich:
Moskitosprays: Verwendung von wirksamen Moskitosprays, die Wirkstoffe wie DEET oder Icaridin enthalten.
Kleidung: Tragen von langer, lockerer und heller Kleidung, um die Angriffsfläche für Mücken zu minimieren. Die Kleidung kann zusätzlich mit dem Insektenmittel Permethrin imprägniert werden.
Wohnraum absichern: Aufenthalt in klimatisierten Räumen oder Zimmern mit intakten Fliegengittern an Fenstern und Türen.
Brutstätten vermeiden: Um das Mückenaufkommen rund um Unterkünfte einzudämmen, sollte stehendes Wasser in Behältern (Blumentöpfe, Eimer, Regentonnen) regelmäßig entleert werden, da die Mücken dort bevorzugt ihre Eier ablegen.
Impfmöglichkeiten gegen Chikungunya
Mittlerweile stehen zwei zugelassene Impfstoffe zur Verfügung, die in Österreich für Personen ab 12 Jahren, die in Endemiegebiete reisen empfohlen werden. Bei der medizinischen Einordnung unterscheidet man grundlegend zwischen einem Lebendimpfstoff und einem modernen Totimpfstoff.
1. Der Totimpfstoff
Seit 2025 steht ein moderner Subunit-Totimpfstoff zur Verfügung, der für Personen ab 12 Jahren zugelassen ist.
Wirkweise (VLP-Technologie): Der Impfstoff basiert auf sogenannten Virus-like Particles (virusähnlichen Partikeln). Diese bestehen aus den äußeren Proteinen des Chikungunya-Virus, enthalten aber keinerlei Erbgut. Sie täuschen dem Immunsystem eine echte Infektion vor, sodass hocheffektiv schützende Antikörper gebildet werden. Da sich das „Virus“ im Körper nicht vermehren kann, ist eine Auslösung der Erkrankung durch die Impfung unmöglich.
Anwendung: Es wird eine Einzeldosis in den Oberarmmuskel injiziert. Studien zeigen, dass bereits 22 Tage nach der Impfung bis zu 98 % der Jugendlichen und Erwachsenen einen soliden Schutz aufweisen.
Besonderer Vorteil: Da es sich um einen Totimpfstoff handelt, kann Vimkunya nach einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung durch den Arzt auch bei Personen mit Immunschwäche eingesetzt werden. Er bietet zudem ein sehr günstiges Sicherheitsprofil für ältere Menschen ab 60 Jahren.
2. Der Lebendimpfstoff:
Seit 2024 existiert ein Lebendimpfstoff als die weltweit erste zugelassene Impfung gegen Chikungunya.
Wirkweise: Es handelt sich um einen klassischen Lebendimpfstoff, der abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Chikungunya-Viren enthält. Auch hier reicht eine einmalige Impfdosis für einen schnellen und jahrelang anhaltenden Schutz aus.
Einschränkungen: Aufgrund des Lebendvirus darf diese Lebenimpfung nicht bei Schwangeren, Stillenden oder Menschen mit einer schweren Immunschwäche angewendet werden. Da nach der Markteinführung vermehrt Gelenkschmerzen und stärkere Impfreaktionen bei älteren Menschen >65 Jahren beobachtet wurden, empfiehlt der österreichische Impfplan den Impfstoff bei diesen Personen nur nach individueller Nutzen-Risiko Abwägung zu verwenden.
Fachberatung im Tropeninstitut Wien 1060
Wir beraten Sie umfassend zu den Themen Chikungunya, Dengue- und Zikavirus, Reiseimpfungen und allgemeine Reisemedizin, damit Sie keine unerwünschten „Reiseandenken“ mitbringen. Vereinbaren Sie Ihren persönlichen Beratungs- und Impftermin rechtzeitig (am besten 3-4 Monate) vor Ihrer Abreise.
