Abenteuer kennt kein Alter: Worauf ältere Reisende aus tropenmedizinischer Sicht achten sollten
Reisen hält jung, öffnet den Blick für neue Kulturen und erfüllt lang ersehnte Lebensträume. Immer mehr Menschen im besten Alter – die sogenannte Generation „60+“ – nutzen ihren Ruhestand für ausgedehnte Fernreisen in tropische und subtropische Regionen. Ob eine Safari in Kenia, eine Rundreise durch Vietnam oder Insel-Hopping in der Karibik: Alter ist längst kein Hinderungsgrund mehr für Fernweh.
Aus internistischer und tropenmedizinischer Sicht bringt das Reisen im höheren Lebensalter jedoch physiologische Besonderheiten mit sich. Das Immunsystem verändert sich, Vorerkrankungen müssen berücksichtigt werden und Impfstoffe wirken oft anders als in jungen Jahren.
Damit die Traumreise nicht zum gesundheitlichen Risiko wird, haben wir die wichtigsten Aspekte aus unserer Ordinationspraxis für Sie zusammengefasst.

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Gut zu wissen
Reiseapotheke aufrüsten: Neben Ihren gewohnten Medikamenten (im Handgepäck und in ausreichender Menge!) gehören Elektrolytlösungen, Blutdruckmessgerät und fiebersenkende Mittel zwingend ins Gepäck.
Attest für Medikamente: Nehmen Sie für zoll- oder sicherheitsrelevante Medikamente (oder Spritzen) ein englischsprachiges Attest von Ihrem Arzt mit.
Rückkehr-Check nicht vergessen: Sollten Sie nach der Reise unter unklarem Fieber, Abgeschlagenheit oder Magen-Darm-Beschwerden leiden, kommen Sie umgehend zu uns. Ältere Organismen zeigen Infektionszeichen manchmal erst verzögert oder atypisch.
1. Das Immunsystem im Wandel: Die Immunseneszenz
Mit zunehmendem Alter macht auch unser Abwehrsystem einen natürlichen Alterungsprozess durch – in der Medizin sprechen wir von Immunseneszenz.
- Höhere Anfälligkeit: Erreger, die ein junger Körper mühelos abwehrt, können bei älteren Menschen schneller zu schweren Krankheitsverläufen führen (z. B. bei Dengue-Fieber, Malaria oder bakteriellen Magenerkrankungen).
- Schwächeres Impfansprechen: Das Immunsystem reagiert auf Impfungen oft langsamer und baut mitunter einen schwächeren oder kürzer anhaltenden Schutz auf.
Praxistipp: Beginnen Sie mit der reisemedizinischen Vorsorge für eine Fernreise idealerweise 2 bis 3 Monate vor dem Abflug. So bleibt genügend Zeit, um Impfantworten zu optimieren oder Auffrischungen vorzunehmen.
2. Der „Impf-Check“ 60+: Präzision statt Standard
Ein Blick in den Impfpass ist vor jeder Fernreise Pflicht. Bei älteren Reisenden unterscheiden wir zwischen zwei Kategorien:
A. Auffrischung der Standardimpfungen
Achten Sie darauf, dass der heimische Schutz lückenlos ist. Dazu gehören:
- Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung (Polio)
- Pneumokokken & Grippe (Influenza): Schützen vor schweren Lungenentzündungen, die durch das ungewohnte Klima oder Klimaanlagen begünstigt werden.
- Gürtelrose (Herpes Zoster): Reisestress und Zeitverschiebung können das Virus reaktivieren.
B. Spezifische Reiseimpfungen & Gelbfieber-Besonderheit
Reiseimpfungen wie Hepatitis A, Typhus, Tollwut oder Dengue sollten individuell auf die Reiseroute abgestimmt werden.
Eine wichtige tropenmedizinische Ausnahme stellt die Gelbfieber-Impfung dar: Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, steigt bei Personen über 60 Jahren, die erstmals geimpft werden, das Risiko für seltene, aber schwere Nebenwirkungen leicht an. Hier führen wir in der Ordination eine sehr sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung durch.
3. Wechselwirkungen: Tropenmedizin meets Dauermedikation
Viele ältere Menschen nehmen regelmäßig Medikamente ein – etwa gegen Bluthochdruck, Diabetes oder zur Blutverdünnung. Auf Fernreisen entstehen hier wichtige Schnittstellen:
- Malaria-Prophylaxe: Nicht jedes Malaria-Medikament verträgt sich mit Herz- oder Blutdruckpräparaten. Wir wählen gezielt das Mittel aus, das frei von Wechselwirkungen mit Ihrer Dauermedikation ist.
- Durchfall & Medikamentenaufnahme: Kommt es auf der Reise zu Reisedurchfall oder Erbrechen, können wichtige Dauermedikamente (z. B. Herz- oder Blutzuckermittel) vom Körper nicht mehr richtig aufgenommen werden. Ein präziser Notfallplan in der Reiseapotheke ist hier essenziell.
- Thromboserisiko auf Langstreckenflügen: Das Risiko für Venenthrombosen steigt mit dem Alter. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Bewegung an Bord und gegebenenfalls getragene Kompressionsstrümpfe (oder eine einmalige Heparin-Spritze) beugen effektiv vor.
4. Klima, Hitze und Flüssigkeitshaushalt
Tropische Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit fordern Herz und Kreislauf heraus. Zudem lässt das natürliche Durstgefühl im Alter nach.
- Dehydrierung vermeiden: Ältere Reisende trinken in warmen Ländern oft unbemerkt zu wenig. Das belastet die Nierenfunktion und verstärkt Schwindelgefühle.
- Anpassung der Blutdruckmittel: Durch die Hitze weiten sich die Blutgefäße, wodurch der Blutdruck natürlich sinkt. In Absprache mit uns kann es notwendig sein, die Dosis von Blutdrucksenkern für die Dauer des Aufenthalts leicht anzupassen.


