Borreliose – die schlummernde Erkrankung: Hörempfehlung mit Dr. Zoufaly im Ö1-Podcast

Die Temperaturen steigen, wir verbringen wieder mehr Zeit in den Wäldern und auf den Wiesen Österreichs – und mit uns erwachen die Zecken. Neben der allseits bekannten FSME übertragen die Spinnentiere jedoch noch einen weitaus häufigeren Erreger: Borrelien.

In der Ö1-Sendung „Dimensionen“ (Gestaltung: Daphne Hruby) dreht sich im Beitrag „Borreliose: Die schlummernde Erkrankung“ alles um diese faszinierende, aber auch tückische bakterielle Infektion. Mit dabei als Experte: Unser Chefarzt und Infektiologe Prof. Dr. Alexander Zoufaly.

Hier fassen wir für Sie die wichtigsten Erkenntnisse der Sendung zusammen und erklären, warum Borreliose so oft unerkannt bleibt.

Dr. Alexander Zoufaly

Das rät unser Experte Dr. Zoufaly

  1. Schnelligkeit zählt: Borrelien sitzen im Mitteldarm der Zecke und werden meist erst 12 bis 24 Stunden nach Beginn des Saugaktes auf den Menschen übertragen. Je schneller Sie die Zecke mit einer Pinzette oder Karte entfernen, desto geringer ist das Risiko.
  2. Keine falsche Sicherheit: Eine durchgemachte Borreliose hinterlässt keine Immunität. Sie können sich nach jedem neuen Zeckenstich wieder infizieren. Zudem schützt die FSME-Impfung ausschließlich gegen das FSME-Virus, jedoch nicht gegen Borrelien.
  3. Abklärung bei Verdacht: Wenn Sie nach einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome, Gelenkschmerzen oder unklare neurologische Beschwerden entwickeln, lassen Sie dies internistisch-infektiologisch abklären.

Warum Borreliose so schwer zu greifen ist

Gemäß Schätzungen der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) erkranken in Österreich jährlich zwischen 25.000 und 70.000 Menschen an Borreliose. Dass diese Spanne so riesig ist, hat zwei wesentliche Gründe:

  1. Keine Meldepflicht: Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten wird die Borreliose statistisch nicht lückenlos erfasst.
  2. Fehlende Symptome: Die berühmte Wanderröte (Erythema migrans) – der rote Kreis, der sich um die Einstichstelle ausbreitet – zeigt sich bei jedem fünften Fall nicht.

Fehlt dieser Warnhinweis, bleibt die Infektion oft unbemerkt. Die Borrelien können sich im Körper einnisten und dort über Monate oder sogar Jahre „schlummern“.

Die Spätfolgen: Wenn die Infektion erwacht

Wird die Borreliose im Frühstadium nicht mit Antibiotika behandelt, breiten sich die Bakterien im Gewebe und im Nervensystem aus. Das kann teils erst Jahre später zu schweren, chronischen Beschwerden führen:

  • Neuroborreliose: Schmerzhafte Nervenentzündungen, Lähmungserscheinungen (z. B. eine einseitige Gesichtslähmung) oder Taubheitsgefühle.
  • Lyme-Arthritis: Wiederkehrende, schmerzhafte Gelenksentzündungen (besonders häufig in den Kniegelenken).
  • Chronische Müdigkeit und Abgeschlagenheit: Diffuse Beschwerden, die oft fälschlicherweise anderen Erkrankungen zugeordnet werden.

Wie wird geholfen? Diagnostik und Therapie

In der Ö1-Sendung wird deutlich, wie wichtig eine präzise Diagnostik ist. Liegt der Zeckenstich bereits Monate zurück, hilft ein Blick auf die Haut nicht mehr weiter.

Als spezialisierte Infektionsordination setzen wir genau dort an:

  • Spezielle Bluttests: Mittels Antikörpernachweisen (ELISA und Bestätigungstest mittels Western Blot) spüren wir der Borreliose im Blut nach. Bei Verdacht auf Neuroborreliose kann auch eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) notwendig sein.
  • Zielgerichtete Antibiotikatherapie: Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung. Mit der richtig ausgewählten Wirkstoffklasse und einer exakt abgestimmten Dosierung lässt sich der Erreger auch im späteren Stadium effektiv bekämpfen.

Den Podcast nachhören?

Möchten Sie tiefer in das Thema eintauchen? Hören Sie die gesamte Ö1-Sendung „Dimensionen“ direkt auf der ORF-Sound-Plattform nach:

Ö1 Dimensionen: Borreliose – die schlummernde Erkrankung

Für eine persönliche Beratung, Blutabnahme oder Abklärung nach einem Zeckenstich können Sie jederzeit online einen Termin in unserer Ordination vereinbaren.