Reisedurchfall vermeiden: Die besten Tipps aus der tropenmedizinischen Praxis

Es ist der Klassiker unter den unerwünschten Urlaubsmitbringseln: Der Magen-Darm-Trakt streikt, und statt am Traumstrand verbringt man die ersten Urlaubstage im Hotelzimmer. Reisedurchfall (medizinisch: Reisediarrhö) ist die mit Abstand häufigste gesundheitliche Störung auf Fernreisen. In den meisten Fällen stecken bakterielle Erreger (wie E. coli, Salmonellen oder Campylobacter) dahinter, mit denen unser europäischer Magen schlicht nicht vertraut ist.

Die gute Nachricht: Mit den richtigen Verhaltensregeln aus der tropenmedizinischen Praxis lässt sich das Risiko drastisch senken. Hier erfahren Sie, worauf es wirklich ankommt.

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Gut zu wissen

  • Das 3-Tage-Limit: Ein normaler Reisedurchfall flaut meist nach zwei bis drei Tagen von alleine ab. Dauern die Beschwerden länger an, kommt Fieber hinzu oder bemerken Sie Blut im Stuhl, ist eine ärztliche Abklärung vor Ort zwingend notwendig.
  • Rückkehrer-Check: Sollten Sie nach Ihrer Heimkehr nach Wien weiterhin unter unklaren Magen-Darm-Beschwerden, Krämpfen oder Gewichtsverlust leiden, führen wir in unserer Ordination eine gezielte Stuhldiagnostik auf tropische Parasiten (wie Lamblien oder Amöben) durch, um die Ursache gezielt zu behandeln.

1. Die goldene Grundregel: „Cook it, peel it, or forget it“

Dieser altbekannte Tropenleitsatz („Koch es, schäl es oder vergiss es.“) hat nach wie vor uneingeschränkte Gültigkeit.

  • Vorsicht bei Rohkost: Salat, ungeschältes Obst und rohes Gemüse werden vor dem Verkauf meist mit lokalem Leitungswasser gewaschen. Konsumieren Sie Früchte nur, wenn Sie diese selbst schälen können, und verzichten Sie im Zweifel auf den verlockenden Beilagensalat.
  • Durchgegartes bevorzugen: Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte sollten immer gut durchgegart und dampfend heiß serviert werden. Vorsicht bei Buffets, die über Stunden ungekühlt oder lauwarm stehen.
  • Street Food richtig einschätzen: Street Food ist oft sicherer als sein Ruf – vorausgesetzt, die Speisen werden frisch vor Ihren Augen im kochenden Fett oder auf dem Grill zubereitet.

2. Die unsichtbare Gefahr: Wasser und Eiswürfel

Leitungswasser ist in vielen Ländern außerhalb Europas nicht keimfrei. Das gilt nicht nur für das Glas Wasser zum Essen:

  • Trinkwasser aus Flaschen: Nutzen Sie zum Trinken und auch zum Zähneputzen ausschließlich industriell abgefülltes Wasser aus versiegelten Flaschen.
  • Die Eiswürfel-Falle: Verzichten Sie in Bars und Restaurants konsequent auf Eiswürfel in Cocktails, Softdrinks oder Säften. Diese werden fast immer aus normalem Leitungswasser hergestellt.
  • Vorsicht bei frischen Säften: Frisch gepresste Säfte werden oft mit Leitungswasser oder Eis gestreckt.

3. Prävention in der Praxis: Was hilft vorab?

  • Händehygiene: Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig mit Seife, insbesondere vor dem Essen. Da unterwegs nicht immer Wasser verfügbar ist, gehört ein wirksames Händedesinfektionsmittel in jedes Handgepäck.
  • Probiotika und Co.: Die Einnahme von Probiotika zur „Stärkung der Darmflora“ vor der Reise wird häufig diskutiert. Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist gemischt, ein garantierter Schutz sind sie jedoch nicht. Sie ersetzen keinesfalls die oben genannten Hygienemaßnahmen.
  • Die Schluckimpfung prüfen: Gegen bestimmte schwere Formen des Reisedurchfalls, wie die Cholera (und teilweise kreuzreagierende ETEC-Bakterien), existiert eine wirksame Schluckimpfung. Ob diese für Ihr konkretes Reiseziel sinnvoll ist, klären wir im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung.

4. Was tun, wenn es einen doch erwischt?

Sollte der Magen-Darm-Trakt dennoch rebellieren, steht der Flüssigkeits- und Elektrolytersatz an oberster Stelle.

  • Elektrolytlösungen: Packen Sie vorgefertigte Elektrolytpulver in Ihre Reiseapotheke. Sie helfen dem Körper, den Verlust an Salzen und Wasser schnell auszugleichen.
  • Vorsicht mit „Motilitätshemmern“ (z. B. Loperamid): Diese Medikamente legen den Darm künstlich lahm. Das ist für Langstreckenflüge oder Busfahrten extrem nützlich, stoppt jedoch auch die natürliche Ausscheidung der Krankheitserreger. Bei Fieber oder blutigen Durchfällen sind sie absolut tabu.