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Hepatitis B und C: Schutz, Test & Therapieoptionen erklärt

Hepatitis B und C gehören zu den häufigsten Ursachen für chronische Lebererkrankungen. Viele Infektionen verlaufen jahrelang symptomlos und bleiben unentdeckt. Doch wie schützt man sich, wer sollte sich testen lassen und welche modernen Heilungschancen gibt es? Ein Überblick unserer Infektionsordination.

Univ.-Prof. Dr. med. univ. Alexander ZoufalyInfektions-News
Hepatitis B und C: Schutz, Test & Therapieoptionen erklärt

Gut zu wissen

Wer sollte sich testen lassen?

  • Personen mit unklaren, erhöhten Leberwerten im Routine-Blutbild.
  • Menschen, die vor 1992 Blutprodukte oder Organe erhalten haben.
  • Personen mit wechselnden Sexualpartnern oder bestehenden STD-Risiken.
  • Reisende nach medizinischen Behandlungen oder Tätowierungen in Ländern mit niedrigeren Hygienestandards.

Die Leber ist unser zentrales Entgiftungsorgan. Sie arbeitet leise und schmerzlos – selbst dann, wenn sie entzündet ist. Genau das macht die Virushepatitis so tückisch. Weltweit und auch in Österreich leben Tausende Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Infektion, ohne es zu wissen.

Sowohl Hepatitis B (HBV) als auch Hepatitis C (HCV) sind Virusinfektionen, die gezielt die Leberzellen angreifen. Unbehandelt können sie über Jahre hinweg zu Vernarbungen des Lebergewebes (Leberzirrhose) oder sogar Leberkrebs führen.

In unserer Ordination legen wir großen Wert auf Früherkennung und modernste Therapiestandards. Die gute Nachricht: Während wir gegen Hepatitis B einen hochwirksamen Impfschutz besitzen, lässt sich Hepatitis C heute in fast allen Fällen innerhalb weniger Wochen vollständig heilen.

1. Die Unterschiede: Übertragung und Ansteckungsrisiko

Obwohl beide Viren die Leber schädigen, unterscheiden sie sich in ihren Übertragungswegen und Verläufen deutlich:

Hepatitis B: Das Virus ist extrem ansteckend – um ein Vielfaches mehr als etwa HIV. Es wird vor allem durch Körperflüssigkeiten übertragen. Zu den Hauptansteckungswegen gehören ungeschützter Sex, Blut-zu-Blut-Kontakte (z. B. Nadelstichverletzungen, unhygienische Tattoos/Piercings oder Drogenbesteck) sowie die Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Geburt.

Hepatitis C: Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich direkt über Blut. Häufige Risikofaktoren sind historische Bluttransfusionen (vor Anfang der 1990er-Jahre), medizinische Eingriffe in Ländern mit niedrigen Hygienestandards, das Teilen von Nagelscheren/Rasierern oder Nadeltausch. Eine sexuelle Übertragung ist möglich, aber deutlich seltener als bei Hepatitis B.

2. Symptome: Warum die Infektion oft unerkannt bleibt

Das Fehlen von Schmerzrezeptoren im Lebergewebe führt dazu, dass eine akute Infektion bei der Mehrheit der Betroffenen wie eine unbedeutende Erkältung oder Magen-Darm-Grippe verläuft.

Nur in etwa einem Drittel der Fälle kommt es zur typischen „Gelbsucht“ (Icterus) mit Verfärbung der Augen und Haut, dunklem Urin und entfärbtem Stuhl. Häufiger sind unspezifische Symptome wie:

  • Anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Druckgefühl im rechten Oberbauch
  • Appettitlosigkeit oder Übelkeit
  • Gelenk- und Muskelschmerzen

Wird das Virus vom Immunsystem nicht innerhalb von sechs Monaten eliminiert, geht die Infektion in ein chronisches Stadium über.

3. Der Test: Einfache Blutuntersuchung bringt Klarheit

Da die Symptome so vage sind, bringt nur eine gezielte Blutuntersuchung Verlässlichkeit. Ein Routine-Labor reicht hierfür meist nicht aus, weshalb spezifische Virus-Marker bestimmt werden:

Hepatitis B-Serologie: Überprüfung auf HBs-Antigen (weist eine aktive Infektion nach) sowie Anti-HBs-Antikörper (zeigt einen bestehenden Schutz durch Impfung oder durchgemachte Infektion an).

Hepatitis C-Diagnostik: Zunächst wird nach HCV-Antikörpern gesucht. Ist dieser Test positiv, sichert ein hochsensibler molekularbiologischer PCR-Test (HCV-RNA) ab, ob eine aktive, behandlungsbedürftige Infektion vorliegt.

4. Schutz & Therapie: Der medizinische Standard

Hepatitis B: Vorbeugung durch Impfung

Gegen Hepatitis B existiert eine sichere und exzellent verträgliche Impfung. Sie gehört zum kostenfreien Kinderimpfprogramm und wird allen Erwachsenen – insbesondere Risikogruppen und medizinischem Personal – dringend empfohlen.

Eine chronische Hepatitis B lässt sich derzeit meist nicht vollständig heilen, aber mit modernen antiviralen Medikamenten (Nukleosid-Analoga) so effektiv unterdrücken, dass das Virus die Leber nicht weiter schädigt und nicht mehr übertragbar ist.

Hepatitis C: Die medizinische Erfolgsgeschichte (Heilung möglich!)

Die Behandlung der Hepatitis C hat in den letzten Jahren eine bahnbrechende Revolution erlebt. Dank moderner, direkt wirkender antiviraler Medikamente (DAAs) ist die Erkrankung heute in über 95 % der Fälle heilbar.

Kompakte Behandlungsdauer: Die Therapie besteht aus der täglichen Einnahme von Tabletten über einen Zeitraum von nur 8 bis 12 Wochen.

Hervorragende Verträglichkeit: Die veralteten, nebenwirkungsreichen Interferon-Spritzen gehören längst der Vergangenheit an.

Dauerhafter Erfolg: Nach erfolgreichem Abschluss der Kur ist das Virus dauerhaft aus dem Körper eliminiert. (Beachten Sie jedoch: Eine durchgemachte Hepatitis C hinterlässt keine Immunität – eine erneute Ansteckung ist möglich).

Quellen

  • Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH)
  • European Association for the Study of the Liver (EASL) – Clinical Practice Guidelines on Hepatitis B & C
  • World Health Organization (WHO) – Global Hepatitis Report

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