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Haut- und Wundinfektionen im Sommer: Früh erkennen, richtig handeln

Ob Insektenstiche, Schnittwunden beim Baden oder Blasen beim Wandern: Im Sommer haben Haut- und Wundinfektionen Hochsaison. Warmes Klima und Feuchtigkeit bieten Bakterien ideale Bedingungen. Erfahren Sie, welche Warnzeichen Sie kennen müssen und wie Sie Infektionen richtig behandeln.

Univ.-Prof. Dr. med. univ. Alexander ZoufalyPraxis
Haut- und Wundinfektionen im Sommer: Früh erkennen, richtig handeln

Gut zu wissen

  • Wundabstrich: Bei hartnäckigen oder eiternden Infektionen nehmen wir einen Abstrich, um den genauen Erreger und dessen Antibiotika-Empfindlichkeit (Antibiogramm) im Speziallabor zu bestimmen.
  • Gezielte Therapie: Statt Breitband-Antibiotika setzen wir auf die exakt passende Medikation, um die Ausbreitung ins Blut (Sepsis) sicher zu verhindern.

Die Sommermonate ziehen uns nach draußen – zum Schwimmen an den See, zum Wandern in die Berge oder zur Gartenarbeit ins Grüne. Doch so schön die warme Jahreszeit ist, so sehr fordert sie unser größtes Organ heraus: die Haut. Kleine Verletzungen, Schürfwunden, Blasen oder einfache Mückenstiche treten im Sommer deutlich häufiger auf als im Winter.

In Kombination mit Hitze, Schweichbildung, Sand und Gewässerkeimen entstehen daraus rasch schmerzhafte Haut- und Wundinfektionen. Warum Bakterien in der warmen Jahreszeit leichtes Spiel haben und wie Sie im Ernstfall richtig reagieren, erfahren Sie hier aus internistisch-infektiologischer Sicht.

1. Warum Infektionen im Sommer schneller entstehen

Das sommerliche Mikroklima auf der Haut bildet den perfekten Nährboden für Krankheitserreger:

  • Hitze und Feuchtigkeit: Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken, die natürlicherweise in geringer Zahl auf unserer Haut vorkommen, vermehren sich bei warmen Temperaturen und feuchtem Milieu rasend schnell.
  • Aufgeweichte Hautbarriere: Durch langes Baden im See, Meer oder Pool quillt die oberste Hautschicht auf. Krankheitserreger können dadurch viel leichter in tiefe Gewebeschichten eindringen.
  • Insektenstiche als Eintrittspforte: Das Aufkratzen von Mücken- oder Wespenstichen überträgt Bakterien von den Fingernägeln direkt in die kleine Wunde.
  • Erreger in Naturgewässern: In stehenden oder sehr warmen Gewässern können sich spezielle Keime (wie Pseudomonas oder marine Vibrionen) vermehren und bestehende Bagatellwunden infizieren.

2. Die häufigsten sommerlichen Hautinfektionen

Nicht jede gerötete Stelle ist sofort ein Notfall. Folgende Krankheitsbilder sollten Sie jedoch unterscheiden können:

ÜberschriftWundrose (Erysipel)

Eine sich schnell ausbreitende, flächenhafte Bakterieninfektion der Haut. Sie entsteht meist durch winzige Mikrorisse (z. B. Fußpilz zwischen den Zehen oder Mückenstiche). Die betroffene Hautstelle ist flammend rot, überwärmt, geschwollen und schmerzhaft. Häufig treten zeitgleich hohes Fieber und Schüttelfrost auf. Eine Wundrose erfordert umgehend eine orale oder intravenöse Antibiotikatherapie.

Impetigo contagiosa (Borkenflechte)

Eine hochansteckende bakterielle Infektion, die besonders häufig bei Kindern auftritt. Sie zeigt sich durch rotes Bläschenwachstum, das rasch platzt und honiggelbe Krusten bildet – meist im Gesicht oder an den Extremitäten.

Wundinfektionen nach Insektenstichen (Phlegmone)

Wenn ein Mückenstich nach Tagen nicht abklingt, sondern immer größer, härter und schmerzhafter wird, hat sich meist eine bakterielle Infektion im Unterhautfettgewebe festgesetzt.

3. Warnzeichen: Wann müssen Sie zum Arzt?

Eine normale Heilungsreaktion ist leicht rosa, juckt eventuell leicht und heilt nach wenigen Tagen ab. Werden jedoch folgende Warnsignale überschritten, sollten Sie die Wunde umgehend internistisch oder infektiologisch abklären lassen:

  • Zunehmende Rötung und Schwellung: Die Rötung breitet sich über die ursprüngliche Wundgrenze hinaus aus.
  • Pulsierender Schmerz: Die Stelle pocht und reagiert extrem empfindlich auf Druck.
  • Starke Überwärmung: Die Haut rund um die Verletzung fühlt sich deutlich heißer an als die gesunde Umgebung.
  • Eiterbildung oder Wundsekretion: Gelbliches Sekret oder unangenehmer Geruch.
  • Roter Streifen (Lymphangitis): Ein roter Faden, der von der Wunde Richtung Körpermitte wandert. (Achtung: Das ist entgegen dem Volksmund keine „Blutvergiftung“, sondern eine Entzündung der Lymphbahnen – erfordert aber dennoch rasche ärztliche Hilfe!)
  • Allgemeinsymptome: Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit oder geschwollene Lymphknoten.

4. Erste Hilfe & Vorbeugung: So schützen Sie Ihre Haut

1.Wunden sofort reinigen: Spülen Sie Schnitt- oder Schürfwunden direkt mit sauberem Leitungswasser aus und desinfizieren Sie die Stelle mit einem geeigneten Hautdesinfektionsmittel.

2.Kratzen konsequent unterbinden: Bei Insektenstichen helfen kühlende Gels oder juckreizstillende Mittel. Vermeiden Sie das Aufkratzen mit den Fingernägeln!

3.Wundschutz beim Baden: Gehen Sie mit offenen Wunden oder frischen Operationsnähten nicht in Badeseen, Teiche oder das Meer.

4.Tetanus-Impfschutz prüfen: Jede Wunde – egal wie klein – kann Tetanus-Bakterien aus der Erde aufnehmen. Der Impfschutz sollte alle 10 Jahre (ab dem 60. Lebensjahr alle 5 Jahre) aufgefrischt werden.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) – Leitlinien zu Haut- und Weichgewebeinfektionen
  • Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV)
  • Leistungsportfolio der Ordination: infektionen.wien

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