Infektionsmedizin

Borreliose

Borreliose nach Zeckenstich fachärztlich abklären: Diagnose durch Anamnese und Labordiagnostik, gezielte Antibiotika-Therapie.

Medizinisch verantwortet von Univ.-Prof. Dr. med. univ. Alexander Zoufaly. Herausgeber: Tropeninstitut Wien.

Zecken verursachen weltweit zahlreiche Infektionskrankheiten

Zecken übertragen neben der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und der Borreliose eine Vielzahl weiterer Krankheiten in Afrika, Amerika, Australien, Asien, im Westpazifik und in Europa: Babesiosen, Ehrlichiosen, Krim-Kongo-hämorrhagisches Fieber, Q-Fieber, Rocky-Mountain-Spotted-Fieber oder Tularämie. Während die Borreliose eine durch Bakterien (Borrelien) vor allem auf der nördlichen Erdhalbkugel sowie in Australien weit verbreitete Erkrankung ist, wird FSME durch Viren regional in betroffenen Gebieten (Österreich, Deutschland, Schweiz, Skandinavien, Osteuropa, China …) ausgelöst. Zecken sind in beiden Fällen die Überträger. Ab 7 °C sind Zecken aktiv.

In Österreich sind 30 % der Zecken mit Borrelien infiziert

Borrelia burgdorferi heißen jene Bakterien, die im Darm von Zecken leben und besonders in Europa und den USA die Borreliose (auch Lyme-Borreliose) verursachen. Borrelien sind schraubenförmige, sehr bewegliche Bakterien aus der Familie der Spirochäten. Erst 1982 wurden sie mit dem typischen Krankheitsbild, dem Erythema migrans (Wanderröte), in Zusammenhang gebracht. In Österreich verursachen Zecken rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Die meisten Infektionen verlaufen jedoch unbemerkt, da nur etwa jeder dritte oder vierte Infizierte Beschwerden entwickelt.

Wie erfolgt die Infektion?

Zecken fallen nicht auf den Menschen, sondern werden abgestreift. Sie sitzen häufig auf Sträuchern in Wäldern, auf Wiesen, in Parkanlagen, Gärten, Freibädern sowie auf Spiel- und Sportplätzen. Wird eine Zecke abgestreift, sucht sie oft mehrere Stunden nach einer geeigneten Körperstelle für ihren Stich. Bevorzugt werden warme, weiche, dünne Hautstellen wie Kniekehlen, Achselhöhlen, der Genitalbereich und die Ohren, bei Kindern besonders der Kopf- und Halsbereich. Borrelien werden erst nach etwa 12–24 Stunden Saugen über den Speichel der Zecke in die Wunde abgegeben. Eine frühzeitige Entfernung der Zecke reduziert das Infektionsrisiko daher deutlich.

So entfernen Sie eine Zecke richtig

Verwenden Sie am besten eine Pinzette (notfalls die Fingernägel). Greifen Sie das Tier möglichst weit vorne und hebeln Sie es senkrecht heraus, nicht drehend. Vermeiden Sie unbedingt ein Quetschen, damit keine Erreger in den Stichkanal gedrückt werden, und desinfizieren Sie anschließend die Stichstelle. Verwenden Sie keinesfalls Klebstoff, Alkohol oder Öl: Die Zecke gibt im Todeskampf vermehrt Speichel und damit Erreger ab.

Borreliose-Diagnose

Die Diagnose ist primär eine klinische Verdachtsdiagnose, getroffen durch die Zusammenschau von Anamnese und Labordiagnostik. In einem ausführlichen Gespräch werden Beschwerden und Symptome, die meist schon länger bestehen, erhoben und entsprechende Labortests durchgeführt. Im Vordergrund steht der Nachweis spezifischer Antikörper im Blut (mittels ELISA und Immunoblot) sowie in der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (mittels Punktat). Da sich die Befunde einer frischen und einer älteren Infektion oft nur schwer unterscheiden lassen, empfiehlt sich die Beurteilung durch eine erfahrene Fachärztin oder einen erfahrenen Facharzt. Dabei wird auch abgeklärt, ob andere Erkrankungen die Beschwerden verursachen.

Borreliose-Therapie

Die Borreliose wird mit Antibiotika behandelt. Welches Antibiotikum eingesetzt wird, richtet sich nach dem Stadium der Infektion. Zu Beginn kommt meist ein Antibiotikum in Tablettenform zum Einsatz; bei Neuroborreliose, Karditis oder Arthritis wird es über eine Infusion verabreicht. Eine vorbeugende Antibiotikagabe nach einem Zeckenstich wird nicht empfohlen.

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Quellen: gesundheit.gv.at (Zecken-Krankheiten/Borreliose); RKI, Ratgeber Lyme-Borreliose; infektionsschutz.de, Erregersteckbrief Borreliose.

Häufige Fragen

Sind an Borreliose erkrankte Menschen ansteckend?

Nein. Erkrankte Personen sind nicht ansteckend und können andere nicht mit Borreliose infizieren.

Ist man nach einer ausgeheilten Borreliose immun?

Nein. Eine durchgemachte und behandelte Infektion schützt nicht vor späteren Borrelioseinfektionen.

Gibt es eine Impfung gegen Borreliose?

Eine Impfung gegen Borreliose gibt es derzeit nicht.

Wann ist das Infektionsrisiko am größten?

Das Risiko beginnt im März, erreicht im Juni und Juli seinen Höhepunkt und endet im Oktober.

Wie schütze ich mich vor einem Zeckenstich?

Lange Kleidung, geschlossene Schuhe und Repellentien können einen Stich verhindern. Suchen Sie nach jedem Aufenthalt in der Natur die von Zecken bevorzugten Körperstellen sorgfältig ab.